Wenn es um unsere Hunde geht, versuchen wir, uns bestmöglich zu verhalten. Wir wollen fair sein und hoffen mit unserem Verhalten dem Hund ein bestimmtes Gefühl zu vermitteln. Offensichtlich ist der richtige Umgang das größte Streitthema zwischen Menschen, wenn es um ihre Hunde geht.
Was viele übersehen, ist das Gespenst das um sich greift und jeden in seinen Bann zieht, der sich vor ihm fürchet.
Am Anfang war das Wort.In einem meiner letzten Gespräche habe ich mich mit einer Frau darüber unterhalten, wie wir eigentlich in die Position gekommen sind, dass wir uns so schwer tun, vernünftig miteinander zu reden. Dabei sagte sie etwas wichtiges, was ich ganz genau kenne, es aber wichtig war, mal wieder zu hören. Sie sagte: „Bei uns war es doch vollkommen normal, dass sich vor den Kindern nicht gestritten wurde. Alles ist hinter verschlossener Tür passiert.“. Und heute sollte uns bewusst sein, dass das Gespenst die Tür zugehalten hat. Was das aber mit uns gemacht hat, ist kaum zu verstehen, wenn man das Gespenst leugnet.
Ein Kind sitzt in seinem Zimmer, während es auf einmal die Stimmen der Eltern hört. Offensichtlich streiten sie sich. Um genau zu verstehen was da draußen passiert, legt das Kind das Ohr an die Zimmertür, um die Worte der Erwachsenen besser zu verstehen. Und die Worte versteht es. Aber warum sie so gesagt werden, versteht es nicht. Also beschließt das Kind nach dem Rechten zu sehen. Es öffnet die Tür und auf einmal ist Stille. Niemand sagt etwas. Auf das Nachfragen des Kindes, was denn los sei, wird geantwortet: „Nichts. Geh wieder in dein Zimmer spielen.“. Die Tür schließt sich und wieder fangen an Stimmen erst zu flüstern um dann immer lauter zu werden. Hier fängt das Gespenst an, Angst zu machen. Warum reden die Erwachsenen immer hinter verschlossener Tür?
Warum hören sie auf, wenn ich zu ihnen komme? Hat es etwas mit mir zu tun? Es muss etwas mit mir zu tun haben!
->Besser wäre es doch gewesen, wenn man über das gesprochen hätte, was man nicht gesagt hat.
Die innere Zerissenheit. Sicher wird der ein oder andere merken, dass er in sich uneinig ist. Er sich häufig selbst Fragen stellt über das richtige Verhalten. Darf man das sagen? Sollte man das ansprechen? Oder eben die Frage, wie man richtig mit anderen umgeht. Was natürlich auch den Hund betrifft.
Was ist wenn diese innere Zerissenheit nichts anderes ist, als das Gespenst dass in uns spukt. Es uns immer wieder daran erinnert, dass es zwei Welten gibt. Die eine vor der Tür und die andere hinter der Tür. Das was man sagt, ist das, was gelogen ist. Und das was man nicht sagt ist das, was der Wahrheit entspricht. Was hier sehr stark verallgemeinert ist, kommt leider den meisten Kommunikationen sehr nah. Viele haben sich so daran gewöhnt hinter der Tür zu sein, dass sie alles mit sich selbst ausmachen. Denn vor der Tür spricht ja niemand mit ihnen. Dort ist eine Welt, in der man sich nicht die Wahrheit sagt. In dem man sich so verhält, dass man niemanden damit stört, verletzt oder schadet. Die heutige Kommunikation ist häufig in sich Zerissen. Zwischen dem was gesagt wird und dem wie man sich verhält. Damit passt vieles was man sagt, nicht mit dem Verhalten zusammen. Dass uns das alle sehr unsicher macht liegt auf der Hand.
Wie im Beispiel des Kindes fragen wir in jedem Gespräch nach, ob wir schuld daran sind, dass mit uns nicht geredet wird.
Das sagen wir natürlich nicht mit unseren Worten, was die einfachste Handlung wäre. Wir zeigen es mit unserem Verhalten. Wir sind unsicher im Gespräch, zurückhalten und ängstlich. In dem was wir sagen, kommt das nur für sehr wenige zum Vorschein. Das Wort hat uns Menschen ermöglicht zu täuschen.
Unsere Türen brauchen Hundeklappen.Das Kind das sich nun im Zimmer befindet und die Welt vor der Tür nicht mehr versteht, wird durch das was nicht gesagt wurde, immer mehr am Zweck der Kommunikation zweifeln. Warum soll ich überhaupt noch mit anderen reden, wenn sie mir nicht sagen was wirklich los ist. Die logischste Konsequenz die darauf resultiert ist das Prinzip, alles mit sich selbst auszumachen. Wenn niemand mit mir redet, muss ich mit mir reden.
Die Natur des Menschen besteht darin, Dinge zu schulen, die für einen nützlich sind und Dinge abzulegen, die einem nichts bringen.
Wie sinnig ist es, Kommunikation abzubauen, wenn man nicht über Dinge spricht. Im Sinne des Kindes, dass hinter der verschlossenen Tür sitzt, sehr sinnig. Doch was ist, wenn diese Tür eine Hundeklappe hätte?
Natürlich spreche ich jetzt sehr metaphorisch. Aber das Kind hätte jemanden, mit dem es sprechen könnte und der nicht mal eine Antwort erwartet. Was übrigens auch mit einem imaginieren Freund der Fall wäre. Es sind die Versuche mit dem umzugehen, was einem als Kind begegnet. Was es aber lernt ist, alles mit sich selbst auszumachen. Und der Hund wird zum Sinnbild der Einsamkeit und zur Verdeutlichung des Mangels von Kommunikation. Was aber im Hund passiert, ist noch einmal was ganz anderes.
Denn in meinen Augen nimmt der Hund all das wahr, was wir nicht sagen.
Er sieht oder besser spürt die Konflikte im Raum. Er merkt, wann jemand etwas zurückhält. Und er versteht, dass Streicheln aus unterschiedlichen Intensionen passiert. Kurz gesagt, er kennt das Gespent nicht.
Was wir dem Hund aber beibringen wollen ist, dass es dieses Gespenst gibt. Wir wollen, dass der Hund sich äußerlich wie wir Menschen verhält, während uns das, was im Inneren passiert nicht interessiert. Durch diesen Umgang mit dem Hund sorgen wir dafür, dass der Hund in sich genau so zerissen wird, wie wir Menschen. Er soll ein äußerliches Verhalten zeigen, während er im inneren einen Konflikt hat. Er sich aufgrund seines Inneren völlig anders verhalten wollen würde, als es das Außen verlangt.
Wir schlagen dem Hund immer wieder die Tür und somit die Kommunikation vor der Nase zu.
Und meines Erachtens sollten wir diese Türen mit aller Gewalt eintreten.
Hol den Vorschlaghammer!Was für den ein oder anderen zu derb ist, ist nichts anderes als radikale Ehrlichkeit um sich gegen das Gespenst zu wehren, dass einen die ganze Zeit Angst macht. Immer wieder führt man Gespräche mit Menschen währen im Hintergrund immer wieder lästige Gedanken aufkommen, die einem an der Echtheit des Gespräches zweifeln lassen. Doch durch meine Arbeit werden diese Stimmen immer leiser. Weil nur wenige daran zweifeln, dass das was ich sage nicht ehrlich ist. Sie können sich darauf verlassen, dass meine Tür nicht zugeht. Und wenn sie doch mal geschlossen werden muss, werde ich das kommunizieren. Niemand wird bei mir vor einer verschlossenen Tür stehen oder sitzen gelassen und muss es mit sich selbst ausmachen. Ich bin der imaginere Freund, mit dem man alles besprechen kann, auch wenn einem das super unangenehm ist. Auch wenn man Angst davor hat. Denn je mehr man erzählt desto weiter gehen die Türen auf und desto mehr schult man seine Kommunikation, weil sie auf einmal wieder Sinn ergibt. Die Trennung zwischen Worten und Verhalten wird immer kleiner, so dass der Gedanke an der Echtheit des gesagten immer weniger Zweifel hervorruft.
Kommunikation und Handlung fangen langsam an wieder übereinzustimmen, was aus einem in sich getrennten Menschen wieder eine Einheit macht.
Und diese Einheit kommt dem Hund zu gute. Denn, er muss genau so wenig wie wir Menschen herumrätseln, wer der Mensch denn nun ist. Warum seine Worte nicht zu seinem Verhalten passen. Er sieht jetzt im Verhalten des Menschen seine Worte.
Die Angst überwinden.Wir Menschen sprechen immer davon, wie schlimm etwas ist, dass wir in unserer Vergangenheit erlebt haben. Dieses Denken übertragen wir dann natürlich auch auf unsere Hunde und versuchen dem Hund ein gutes Gefühl zu geben, statt mit ihm darüber zu reden, was in uns wirklich passiert. Wir zeigen ein äußerliches Verhalten und halten die Tür permanent zu und Fragen uns, wo unsere Kraft hin ist. Fragen nach der Ursache von Depression, Erschöpfung, Einsamkeit und Gefühlsleere. Wir werden so stark darin im Aushalten. Dabei merken wir nicht, dass wir gar nicht aushalten, sondern wir halten die Tür zu. Und irgendwann sind wir erschöpft. Vielleicht ist dann da noch ein Hund, der sich vor die Tür setzt und diese bewacht und alles wegbellt, was der Tür zu nah kommt. Unsere Hunde beschützen unseren Hof unser Haus und das was wir tief in uns tragen. Aber wer beschützt unsere Hunde davor, genau so zu werden wie wir? Da gibt es niemanden. Nur der, der hinhört und zuhört erkennt das Gespenst das um geht. Sage nicht wer du bist. Niemand darf das wissen. Nicht einmal dein Hund. Und wir stehen da, wie wir uns richtig gegenüber anderen und unserem Hund verhalten sollen. Was die richtige Methode ist? Wozu? Um dem Hund und den Menschen um uns herum weiterhin etwas vorzuspielen. Suchen wir tatsächlich nach der besten Methode um nicht menschlich zu sein. Um uns nicht verletztlich zu zeigen?
Mir kommt es ganz so vor, als besteht die beste Methode darin, Menschen beizubringen, wie sie am besten hinter der verschlossnene Tür der Kommunikation überleben.
Stell dich ab und pass dich an. Machen doch alle so. Oder?
Es gab ein Gespräch zwischen Jespel Juul und einer Mutter, die ihn um Hilfe bat. Sie sagte, dass ihre Kinder sie so sehr genervt haben, dass sie sie angeschrien hat. Nun hatt sie Angst, dass sie ihren Kinder geschadet hat. Er antwortete ihr, dass sie ihren Kindern nicht geschadet habe und einfach nur menschlich war. Am besten solle sie mit ihren Kindern darüber reden. Denn was können unsere Kinder besseres lernen, als menschlich zu sein.
Oder anders gesagt, was sollen unsere Hunde besseres lernen, als zu verstehen, wer wir sind.